Suchmaschinenoptimierung · 2026

Gendergap im Suchverhalten 24:1

Rechtsanwalt (männlich) Rechtsanwältin (weiblich)
Österreich

Monatliche Suchanfragen · Quelle: Ahrefs

Deutschland

Monatliche Suchanfragen · Quelle: Ahrefs

Analyse: Mogaji Digital Communications · mogaji.at

Zentrale Befunde zum Suchverhalten

  1. Die männliche Berufsbezeichnung dominiert die Google-Suche in Deutschland und Österreich deutlich, oft mit Verhältnissen wie 24:1 („Rechtsanwalt“ vs. „Rechtsanwältin“ in Österreich).
  2. Google trennt Suchergebnisse strikt nach Geschlecht: Wer seine Seite auf die weiblichen Form optimiert, ist für die Mehrheit der Suchenden (die die männliche Form nutzt) unsichtbar.
  3. Genderneutrale Schreibweisen (z. B. mit Sternchen oder Doppelpunkten) haben ein Suchvolumen von nahezu null.
  4. Bei geringem Suchvolumen interpretiert Google die weibliche Form teilweise als einen Tippfehler und schlägt eine Alternative vor (z. B. „plastische Chirurgie“).

Gendergerechte Sprache? Nicht in der Google-Suche

Während Unternehmen Leitfäden zur gendergerechten Sprache herausgeben und einige Medien über die große gesellschaftliche Verschiebung berichten, zeigen Suchdaten aus Österreich und Deutschland ein anderes Bild:

Das Suchverhalten hat sich kaum verändert. Die männliche Berufsbezeichnung dominiert das Internet, fast unangefochten.

Eine Analyse von Suchdaten aus den Jahren 2004 bis 2025 zeigt, dass österreichische und deutsche Nutzer bei der Google-Suche nach Fachleuten, Ärzten und Beratern nach wie vor überwiegend die männliche Form verwenden, und das in einem Ausmaß, das die öffentliche Debatte rund um Gendern weitgehend konterkariert.

Die Untersuchung, für die Keyword-Daten über das SEO-Tool Ahrefs sowie Google Trends ausgewertet wurden, umfasst fünf Berufsgruppen: 

01 Medizin
Zahnarzt / Zahnärztin
02 Recht
Rechtsanwalt / Rechtsanwältin
03 Psychologie
Psychotherapeut / Psychotherapeutin
04 Ästhetik
Plastischer Chirurg / Plastische Chirurgin
05 Finanzen
Steuerberater / Steuerberaterin

Ergänzt wurde die Auswertung durch eine manuelle Analyse der Google-Suchergebnisse im Inkognito-Modus, um Personalisierungseffekte auszuschließen.

Was die Daten zeigen

Die Diskrepanz zwischen männlicher und weiblicher Suchform ist in allen untersuchten Berufsgruppen konsistent und teils extrem.

In Österreich wird „Rechtsanwalt“ monatlich rund 1.700-mal gesucht, „Rechtsanwältin“ gerade einmal 70-mal.

In Deutschland ist das Verhältnis ähnlich: 19.000 zu 900. 

Beim Zahnarzt ist die Lücke noch größer: 12.000 Suchanfragen für „Zahnarzt“ in Österreich, 300 für „Zahnärztin“. In Deutschland: 54.000 zu 2.000.

Beim Psychotherapeuten zeigt sich das einzige etwas ausgeglichenere Bild, : 700 Suchanfragen pro Monat in Österreich für „Psychotherapeut“, 350 für „Psychotherapeutin“. Ein Verhältnis von 2:1.

Psychotherapeut (männlich) Psychotherapeutin (weiblich)

Monatliche Suchanfragen in Österreich · Quelle: Ahrefs (geschätzte Werte)

Analyse: Mogaji Digital Communications · mogaji.at

In Deutschland ist der Unterschied wesentlich größer: 12.000 zu 1.800.

Psychotherapeut (männlich) Psychotherapeutin (weiblich)

Monatliche Suchanfragen in Deutschland · Quelle: Ahrefs (geschätzte Werte)

Analyse: Mogaji Digital Communications · mogaji.at

Beim Steuerberater kollabiert die weibliche Form fast vollständig: 1.700 Suchen für „Steuerberater“ in Österreich, 50 für „Steuerberaterin“. In Deutschland: 22.000 zu 400.

Was die Daten zeigen

Über zwei Jahrzehnte hinweg hat sich am Suchverhalten kaum etwas verändert. Die männliche Berufsbezeichnung dominiert in allen untersuchten Kategorien, konstant und ohne erkennbare Annäherung.

Bei „Rechtsanwalt“ vs. „Rechtsanwältin“ liegt das Verhältnis in Österreich heute noch genauso wie 2004 bei etwa 24:1. Bei „Zahnarzt“ ist die Lücke sogar gewachsen, weil die männliche Form seit 2010 deutlich mehr gesucht wird, während die weibliche flach bleibt.

Gendern im Suchverhalten 2004–2025 | Mogaji Digital
Gendern im Suchverhalten
Relative Suchintensität für männliche vs. weibliche Berufsbezeichnungen, 2004–2025.
Google Trends Skala 0–100 (Jahresdurchschnitte). Quelle: Google Trends / Ahrefs.
Land
Beruf
Rechtsanwalt
Rechtsanwältin
Analyse: Mogaji Digital Communications · mogaji.at

Die einzige Ausnahme ist „Psychotherapeutin“. Hier steigt die weibliche Form seit etwa 2006 langsam aber messbar an und erreicht in Österreich inzwischen fast die Hälfte des Suchvolumens der männlichen Form. Das ist der einzige Bereich, in dem sich ein echtes Verhaltens-Shift in den Daten zeigt.

Am anderen Extrem steht „plastische Chirurgin“. In Deutschland liegt die relative Suchintensität für die weibliche Form seit 2004 fast durchgehend im nicht messbaren Bereich. Google Trends zeigt einen Wert von 0, was nicht bedeutet, dass absolut niemand danach sucht, sondern dass das Volumen im Verhältnis zum stärksten Suchbegriff so gering ist, dass es kaum erfassbar wird. 

Zwei kurze Ausnahmen: ein einmaliger Spike 2011, vermutlich ausgelöst durch ein einzelnes mediales Ereignis, und ein leichter Anstieg 2025. An der Grundaussage ändert das nichts. 

Genderneutrale Schreibweisen wie „Zahnarzt:innen“ oder „Rechtsanwält*innen“ werden praktisch nicht gesucht. Das Suchvolumen für alle getesteten Varianten liegt bei null.

Suchvolumen Österreich
Berufsgruppe (Beispiel)Suchvolumen Österreich (m)Suchvolumen Österreich (w)
Zahnarzt / Zahnärztin54.0002.000
Rechtsanwalt / -anwältin1.70070
Steuerberater / -beraterin1.70050
Psychotherapeut / -in700350
Suchvolumen Deutschland
BerufsgruppeSuchvolumen Deutschland (männlich)Suchvolumen Deutschland (weiblich)
Zahnarzt / Zahnärztin54.0002.000
Steuerberater / -in22.000400
Psychotherapeut / -in12.0001.800
Rechtsanwalt / -anwältin19.000900
Plastische/r Chirurg/in900100

Wie Google selbst damit umgeht

Besonders aufschlussreich ist nicht nur, was Menschen suchen, sondern was Google ihnen anzeigt.

Bei der Suche nach „Rechtsanwalt“ erscheinen in den Top 40 organischen Ergebnissen ausschließlich Seiten, die auf die männliche Form optimiert sind. Keine einzige auf „Rechtsanwältin“ optimierte Seite schafft es in diese Sichtbarkeitszone, weder in Österreich noch in Deutschland. Dasselbe Muster gilt für Zahnarzt, Steuerberater und Psychotherapeut.

Der Mechanismus funktioniert aber auch umgekehrt: Wer „Zahnärztin“ oder „Rechtsanwältin“ sucht, bekommt fast ausschließlich weiblich positionierte Seiten angezeigt. Google trennt die beiden Begriffswelten scharf voneinander.

Suchergebnisse für Zahnarzt

Quelle: Google

Suchergebnis für Zahnärtzin

Quelle: Google

Das hat konkrete Konsequenzen für alle, die im Netz gefunden werden wollen: Eine Ärztin, die ihre Webseite nur auf „Ärztin“ optimiert, ist für Nutzer unsichtbar, die nach „Arzt“ suchen, und das ist die große Mehrheit der Suchenden.

Ein Phänomen bei niedrigem Volumen

In Österreich gibt es einen zusätzlichen Effekt, der die Dynamik noch verschärft. Bei der Suche nach „plastische Chirurgin“ schlägt Google häufig vor, stattdessen „plastische Chirurgie“ zu suchen. Bei „plastischer Chirurg“ passiert das nicht.

Quelle: Google

Der Grund liegt im Suchvolumen: Mit rund 20 Suchanfragen pro Monat hat Google schlicht zu wenig Verhaltensdaten, um den Begriff sicher zu interpretieren. Das System lernt aus Millionen von Suchanfragen, was Nutzer wirklich meinen. 

Wird ein Begriff selten gesucht und korrigieren die wenigen, die ihn eintippen, ihre Suche danach häufig, zieht Google den Schluss: wahrscheinlicher Tippfehler.

Was Menschen stattdessen suchen

Eine separate Auswertung zeigt, dass genderneutrale Schreibweisen wie „Zahnarzt:innen“ oder „Rechtsanwält*innen“ in der Suche praktisch nicht vorkommen. Für alle untersuchten Varianten liegt das Suchvolumen bei null oder nahezu null. Auch Google Trends zeigt keine erkennbare Bewegung.

Wenn Menschen neutral suchen wollen, umgehen sie das Thema nicht durch Sternchen oder Doppelpunkte, sondern durch völlig andere Begriffe. Sie suchen nach „Zahnarztpraxis“, „plastische Chirurgie“ oder „Psychotherapie“, also nach Leistungen und Einrichtungen statt nach Personen. Das ist die einzige erkennbare Form neutralen Suchverhaltens.

Analyse

Die Daten legen nahe, dass die gesellschaftliche Debatte über gendergerechte Sprache bislang kaum in das Suchverhalten der Bevölkerung eingesickert ist. Das bedeutet nicht zwingend, dass Menschen die weibliche Form ablehnen. Es bedeutet, dass sie beim schnellen Suchen nach dem Begriff greifen, den sie als Standard gelernt haben, und das ist in allen untersuchten Fällen die männliche Form.

Für Unternehmen und Selbstständige, die online sichtbar sein wollen, hat das direkte wirtschaftliche Konsequenzen. Wer als Rechtsanwältin oder Zahnärztin nur auf die eigene Berufsbezeichnung setzt, verpassen den größten Teil der relevanten Suchanfragen. 

Gleichzeitig ist das geringe Suchvolumen der weiblichen Form nicht immer ein Nachteil. Wer seine Website auf „Psychotherapeutin“ oder „Rechtsanwältin“ optimiert, trifft meist auf einen Bruchteil des Wettbewerbs verglichen mit der männlichen Form.

Für kleinere Praxen oder Einzelpersonen kann das bedeuten, auf Seite 1 zu landen, wo sie bei „Psychotherapeut“ oder „Rechtsanwalt“ gegen deutlich mehr und oft besser aufgestellte Konkurrenten antreten müssten.

Wer beide Zielgruppen ansprechen will, hat zwei Wege. Eine einzelne Seite für beide Formen zu optimieren ist möglich.

Die andere Lösung sind zwei separate Unterseiten mit eigenem Content, eine für die männliche, eine für die weibliche Berufsbezeichnung und. Mehr Aufwand, aber wer beide Suchanfragen abdecken will, kommt daran kaum vorbei.

Schlussfolgerung

Gendern verändert gerade Medien, Unternehmenskommunikation und politische Sprache. Im Google-Suchverhalten der deutschsprachigen Bevölkerung ist davon nichts zu sehen. 

Die männliche Berufsbezeichnung ist der Standard, den Menschen beim Suchen verwenden, und Google spiegelt das zurück, indem es die Ergebnisse konsequent nach Suchbegriff trennt. Wer im Netz gefunden werden will, muss das berücksichtigen, unabhängig davon, wie er selbst spricht.

Über den Author

Rilwan Mogaji

Geschäftsführer von Mogaji Digital Communications OG seit 2021.

Digital Marketing Expert seit 2019

Teilen: