Inflation, Strompreise, Klimabonus: Google-Suchdaten aus Österreich zeigen, dass wirtschaftlicher Druck länger nachwirkt, als offizielle Zahlen vermuten lassen.
Analyse: Mogaji Digital Communications, Wien, Mai 2026
Update: 20.Juli 2026
Nach zwei Rezessionsjahren setzte 2025 wieder eine leichte Erholung ein. Für 2026 erwarten WIFO und IHS nur gedämpftes Wachstum von rund 0,9 % bzw. 0,5 %. Die Inflation bleibt mit Prognosen von 2,7 % bis 2,9 % über dem EZB-Ziel.
Was Suchdaten dazu zeigen, ist keine kurzfristige Panikreaktion auf einen Schock, sondern eine Strukturelle Verschiebung des Suchmusters.
Suchanfragen für „Inflation Österreich“ lagen 2019 bei durchschnittlich 1.743 pro Monat. 2022 sprangen sie auf 8.290. 2023 stiegen sie weiter auf 10.140, also im Jahr nach dem Höhepunkt der Teuerungswelle. Und 2025, als die Inflationsrate offiziell wieder im grünen Bereich lag, erreichten sie mit 10.505 monatlichen Suchen einen neuen Höchstwert.
2021 suchten Österreicher durchschnittlich 529 Mal pro Monat nach „Strompreise“. 2022 waren es 3.051. Das entspricht einem Anstieg von 477 % innerhalb eines Jahres. Der Peak lag im September 2022 bei 7.126 monatlichen Suchanfragen.
Das Suchvolumen kehrte danach nicht zur Ausgangslage zurück. 2023 lag der Jahresdurchschnitt bei 4.289, 2024 bei 3.362, 2025 bei 3.830.
Das Vorkrisenniveau von rund 500 Suchen pro Monat wurde nie wieder erreicht.
Strompreise waren vor 2022 kein Thema mit akuter Alltagsrelevanz für die meisten Österreicher. Seit 2022 sind sie es, dauerhaft.
Vor 2022 lag das monatliche Suchvolumen für „Spritpreise“ stabil zwischen 1.500 und 2.400 Anfragen, über Jahre ohne nennenswerte Schwankung.
Im März 2022, dem Monat nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine, sprang das Google Trends-Interesse auf den Indexwert 100, den höchstmöglichen Wert. Die Ahrefs-Daten bestätigen das: 38.847 Suchanfragen allein in diesem Monat.
Danach folgt dasselbe Muster wie bei Inflation und Strompreisen. Das Suchvolumen fiel, aber nicht auf Vorkrisenniveau. 2023 lag der Jahresdurchschnitt bei 3.743, 2024 bei 3.157, beide weit über dem Wert von 2.281 im Jahr 2021.
Monatliche Suchanfragen · Jahresdurchschnitt · Österreich
„Spritpreise" — Quelle: Ahrefs · Analyse: Mogaji Digital Communications
Peak-Monat
März 2022 · 38.847 Suchen
2021 → 2022
+378 %
Die Keyword-Daten zeigen, wie sich die Suchintention dabei verschoben hat. 2022 dominierten Frustrationsfragen:
„warum explodieren die Spritpreise“,
„warum sinken sie nicht“,
„wer ist für die hohen Spritpreise verantwortlich.“
2026, beim zweiten großen Preisschock durch den Iran-Krieg, wurden die Fragen politischer:
„was macht die Regierung gegen Spritpreise“,
„wer legt die Spritpreise fest“,
„wer regelt die Spritpreise.“
Die Menschen in Österreich suchen nicht mehr nur nach Erklärungen, sie suchen nach Zuständigkeit.
Auffällig ist auch der Ländervergleich: „warum steigen die Spritpreise nur in Deutschland“ kommt auf 1.200 monatliche Suchanfragen aus Österreich.
Spritpreise Österreich — Suchintentionen
Quelle: Ahrefs · Mogaji Digital Communications| Keyword | Erstmals | Intention | Intensität | Was dahintersteckt |
|---|---|---|---|---|
| Ursache — Warum ist es so | ||||
| warum sind die spritpreise so hoch | 2021 | Ursache | Hoch | 900 Suchen/Monat, dauerhaft seit Krise |
| warum explodieren die spritpreise | 2022-03 | Ursache | Niedrig | Emotional formuliert, Frustration wird zur Suchanfrage |
| spritpreise aktuell warum so teuer | 2026-03 | Ursache | Hoch | 800 Suchen/Monat, Iran-Schock reaktiviert Muster |
| Zukunft — Wann wird es besser | ||||
| wann sinken die spritpreise wieder | 2021 | Zukunft | Hoch | 450 Suchen/Monat, "wieder" zeigt Vorkrisenniveau als Normalzustand |
| wie hoch steigen die spritpreise 2026 | 2026-03 | Zukunft | Niedrig | Planungshorizont statt Hoffnung auf Rückkehr |
| Verantwortung — Wer handelt | ||||
| spritpreise was macht die regierung | 2026-03 | Politik | Niedrig | Neu 2026, Forderung nach Eingriff wird suchbar |
| wer legt die spritpreise fest | 2026-03 | Politik | Niedrig | Systemfrage, Preismechanismus wird nicht mehr verstanden |
Die Eskalation im Iran-Krieg trieb den Rohölpreis innerhalb eines Tages um bis zu 29 Prozent nach oben, die Spritpreise an österreichischen Zapfsäulen zogen sofort mit, und das Suchinteresse erreichte einen Google Trends-Indexwert von 85, fast so hoch wie 2022.
Die Datensätze zeigen dasselbe Muster: Schock 2022, kein Rückfall auf Vorkrisenniveau. Wirtschaftliche Verunsicherung hat das Suchmuster in Österreich strukturell verändert. Das Interesse an Inflation und Strompreisen blieb auf einem Niveau, das vor 2022 undenkbar gewesen wäre.
Für die Interpretation ist dabei ein Hinweis wichtig: Suchdaten messen Aufmerksamkeit und Informationsbedarf, keine finanzielle Not. Wer „Inflation Österreich“ sucht, kann Journalist, Schüler, Rentner oder Unternehmer sein. Die Zahlen zeigen nicht, wie es einzelnen Haushalten geht, aber sie zeigen, welche Themen Menschen aktiv beschäftigen.
Ahrefs-Keyworddaten zeigen, wie sich das Suchverhalten seit 2022 strukturell verändert hat. Nicht nur das Volumen stieg, es entstanden völlig neue Suchformulierungen, die vorher nicht vorhanden waren oder selten gesucht wurden.
| Keyword | Erstmals registriert | Intention | Intensität | Was dahintersteckt |
|---|---|---|---|---|
| Erklärung — was ist das überhaupt | ||||
| was ist inflation | vor 2019 | Erklärung | Mittel | Grundlagenwissen, oft erster Berührungspunkt mit dem Thema |
| wie wird die inflation in österreich berechnet | 2021 | Erklärung | Niedrig | Methodikfrage, sucht Verständnis hinter der Zahl |
| Einordnung — wie hoch ist sie gerade | ||||
| wie hoch ist die inflation in österreich | vor 2019 | Einordnung | Hoch | Meistgesuchte Variante, 200 Suchen/Monat, Traffic-Potenzial 9.500 |
| wie hoch ist die inflation in österreich 2026 | 2026 | Einordnung | Niedrig | Neuester Eintrag, Verhalten setzt sich fort |
| wie hoch ist derzeit die inflation in österreich | 2018 | Einordnung | Niedrig | Fokus auf Aktualität, sucht nicht historische Werte |
| Ursache — warum ist das so | ||||
| warum ist die inflation in österreich so hoch | 2023 | Ursache | Mittel | Neu seit der Krise, sucht Verantwortliche und Zusammenhänge |
| warum inflation in österreich höher | 2024 | Ursache | Niedrig | Direkter Länder- oder Jahresvergleich |
| Zukunft — wann wird es besser | ||||
| wann geht die inflation zurück österreich | 2023 | Zukunft | Niedrig | Keine Informationsfrage mehr, sondern Entlastungssehnsucht |
| wann sinkt die inflation wieder österreich | 2023 | Zukunft | Niedrig | "Wieder" zeigt dass ein Normalzustand vermisst wird |
| Handlung — was kann ich tun | ||||
| inflation österreich was tun | 2022 | Handlung | Niedrig | Erster Handlungs-Keyword überhaupt, entstand direkt in der Krise |
| wie schütze ich mein geld vor inflation | 2022 | Handlung | Niedrig | Konkreteste Handlungsfrage, sucht persönliche Schutzmaßnahmen |
Die Entwicklung folgt einem Muster:
Die Entwicklung startete mit Erklärungsfragen (z.B. „was ist Inflation“). Einordnungsfragen (z.B. „wie hoch ist die Inflation“)etablierten sich dauerhaft, und ab 2023 entstanden vermehrt Ursachenfragen. Am auffälligsten ist der Wandel ab 2022: Erstmals tauchten vermehrt Handlungsfragen auf, wie
:“Inflation Österreich was tun“,
„Wie schütze ich mein Geld vor Inflation“
Vor 2022 waren diese spezifischen Suchbegriffe kaum präsent. Das deutet auf einen Wandel hin: Nutzer suchen heute weniger nach reinem Hintergrundwissen als vielmehr nach konkreten Reaktionsmöglichkeiten und Lösungsansätzen. Dieser Trend lässt sich auch deutlich an den von Google bereitgestellten Suchergebnissen ablesen.
Bei Inflation suchen Menschen nach Erklärung, Einordnung, und irgendwann auch nach Handlungsoptionen. Bei Strompreisen gibt es das auch, aber der Schwerpunkt liegt woanders. Ursachen- und Zukunftsfragen dominieren:
Warum steigen sie, und wann fallen sie wieder. Was auffällt ist der Ton.
„Warum explodieren die Strompreise“,
„Warum sinken sie nicht“, das sind keine neutralen Informationsanfragen.
Da steckt Frustration drin.
| Keyword | Erstmals registriert | Intention | Intensität | Was dahintersteckt |
|---|---|---|---|---|
| Einordnung — wie hoch sind sie gerade | ||||
| wie hoch sind die strompreise aktuell | 2022 | Einordnung | Mittel | Neu seit der Krise, Fokus auf Aktualität nicht auf historische Werte |
| Ursache — warum ist das so | ||||
| warum steigen die strompreise | 2020 | Ursache | Hoch | Existierte schon vor der Krise, explodierte aber erst 2022 |
| warum explodieren die strompreise | 2022 | Ursache | Niedrig | Einzige emotional formulierte Suchanfrage in beiden Datensätzen, Frustration wird zur Suchanfrage |
| warum sinken die strompreise nicht | 2022 | Ursache | Niedrig | Ungeduld als Suchverhalten, Normalzustand wird erwartet aber nicht geliefert |
| Zukunft — wann wird es besser | ||||
| wann sinken die strompreise wieder | 2021 | Zukunft | Hoch | "Wieder" zeigt dass Vorkrisenniveau als Normalzustand gilt |
| wie lange bleiben die strompreise so hoch | 2022 | Zukunft | Niedrig | Keine Hoffnung mehr auf schnelle Rückkehr, sucht Planungshorizont |
| wie entwickeln sich die strompreise 2026 | 2025 | Zukunft | Mittel | Noch 2025 aktiv, zeigt dauerhaftes Monitoring weit über die Krise hinaus |
| Handlung — was kann ich tun | ||||
| was tun gegen hohe strompreise | 2022 | Handlung | Niedrig | Erster Handlungs-Keyword, entstand direkt mit der Krise |
| wie vergleiche ich strompreise | 2022 | Handlung | Niedrig | Konkretester Handlungsschritt, sucht Anbieterwechsel als Lösung |
| Erklärung — wie funktioniert das | ||||
| wie werden strompreise berechnet | 2022 | Erklärung | Niedrig | Neu seit der Krise, sucht Transparenz hinter der Rechnung |
| was sind negative strompreise | 2024 | Erklärung | Mittel | Neues Phänomen ab 2024, Interesse entwickelt sich weiter statt abzuflauen |
Ein eigenes Muster zeigt sich bei staatlichen Entlastungsmaßnahmen. Der Klimabonus erreichte im September 2022 einen Peakwert von 67.862 monatlichen Suchanfragen, der Heizkostenzuschuss kam 2023 auf einen Peak von 4.825.
Was diese Zahlen zeigen, ist aber nicht primär Krisenstimmung. Staatliche Interventionen erzeugen Informationsbedarf, das ist ihr eigenes Signal.
Der Klimabonus wurde per Massenversand an alle Haushalte kommuniziert. Der Heizkostenzuschuss lief über neun Bundesländer mit unterschiedlichen Regeln und Antragsfristen. Beide Programme waren neu, beide waren komplex genug, um Fragen aufzuwerfen.
Das ist methodisch relevant für die gesamte Analyse: Suchdaten messen nicht nur Verunsicherung, sie messen auch politische Aktivität.
Ein neues Förderprogramm erzeugt Suchvolumen, weil Informationsbedarf entsteht, unabhängig davon, wie es der Bevölkerung finanziell geht.
Neben Inflation, Strompreisen und staatlichen Entlastungen zeigen drei weitere Cluster relevante Signale.
Sparen und Kostenkontrolle, also Begriffe wie „Geld sparen“, „beim Einkaufen sparen“ oder schlicht „Sparen“, stiegen ab 2022 kontinuierlich an und erreichten 2025 mit durchschnittlich 2.014 monatlichen Suchen ihren bisherigen Höchstwert. Das ist kein Schockmoment wie bei Strompreisen, sondern eine schleichende Verschiebung: Aus Preisangst wird Alltagsplanung.
Nebenjob und Online-Geld-verdienen sind methodisch die heikelsten Begriffe dieser Analyse. Nebenjob ist ein dauerhaftes Suchthema. „Online Geld verdienen“ hingegen stieg von 1.383 monatlichen Suchen in 2021 auf 2.521 in 2025, also ein kontinuierliches Wachstum ohne klaren Krisenmoment. Beides kann als Einkommensseite der Krise gelesen werden, muss es aber nicht.
Wohnbeihilfe und Mietbeihilfe runden das Bild ab. Die Werte sind moderat, zeigen aber dass wirtschaftlicher Druck nicht nur bei Energie und Lebensmitteln, sondern auch beim Wohnen als Suchthema präsent ist.
Was diese Zahlen nicht sagen
Suchdaten können einiges zeigen. Einiges können sie nicht.
Sie beweisen nicht, dass Haushalte finanziell überfordert sind. Sie sagen nichts über Einkommen, Ersparnisse oder tatsächliche Kaufkraftverluste einzelner Menschen.
Was sie zeigen: Themen, die Aufmerksamkeit erzeugen, Fragen, die Menschen formulieren, und Momente, in denen abstrakte Wirtschaftsthemen zu konkreten Alltagsproblemen werden.
Die Analyse kombiniert Keyword und Suchvolumendaten aus Ahrefs (geschätzte monatliche Suchanfragen, Österreich, Zeitraum 2015–2026) mit wirtschaftlichen Kontextdaten der Statistik Austria (VPI-Jahreswerte 2021–2025) und dem Interim Outlook der Oesterreichischen Nationalbank 2026. Alle Suchvolumina sind Monatsdurchschnitte auf Jahresebene aggregiert. Google-Trends-Werte (verwendet für den Energie- und Teuerungscluster) zeigen relatives Suchinteresse normalisiert auf 0–100 und erlauben keinen direkten Mengenvergleich zwischen verschiedenen Begriffen.
Quellen: Statistik Austria VPI/HVPI, OeNB Interim Outlook 2026, E-Control Preismonitor, Ahrefs Keyword Explorer, Google Trends.
Mogaji Digital Communications ist eine SEO-Agentur in Wien mit Fokus auf B2B Unternehmen und datenbasierte Suchstrategie und Content.

Geschäftsführer von Mogaji Digital Communications OG seit 2021.
Digital Marketing Expert seit 2019
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